Schwierigkeiten bei der Suche nach wildlebenden grünen Pfauen

Auf dem Weg zur Arbeit

Wie schwierig es ist, ohne 100% ige Ortsangabe Pfaue in der Natur zu finden, möchte ich Euch an einem Beispiel darlegen.
Wie ich vorher schon erwähnt habe, lebe ich hier im Norden Thailands in der Stadt Chiang Mai . Mein Freund , Zuchtkolege und Pfauenspezialist Wolfgang Mennig aus Deutschland sendete mir über Umwege eine E-mail, wonach es im Verlauf des Ping Flusses noch Pfaue geben sollte. Diese Information stamme von Frau Prof. Wina Meckvichai aus Bangkok. Sie hatte eine Woche zuvor auf dem World Galliform Symposium der WPA in China über das Vorkommen der wilden grünen Pfaue in Thailand berichtet.
Auf der Landkarte nachgeschaut fand ich einen National Park mit dem Namen Mae Ping Nationalpark. Kurz entschlossen machte ich mich am folgenden Morgen mit meiner Honda wave 125ccm, ausgerüstet mit Kamera, Landkarte und Wörterbuch auf den Weg zum Mae Ping Nationalpark. Nach ca 3 Stunden Fahrt bei über 30Grad Hitze und etlichem Nachfragen nach dem Weg, und ob man in diesem Bereich schon einmal Pfaue gesehen hätte, erreichte ich den Mae Ping National-Park. Im Nationalpark angekommen machte ich mich direkt auf den Weg zur Parkverwaltung. Hier war man dann ganz erstaunt darüber, dass ein so genannter Farang oder Weißer sich für thailändische Pfaue interessiert. Auf die Frage, ob es denn auch hier in diesem Park oder ausserhalb noch wildlebende Pfaue gibt, hörte ich nur ein 'mei mi, mei mi' ,was soviel bedeutet wie: nicht haben oder gibt es hier nicht. Dann wurde ein Buch mit all den Vögeln, die der Park beherbergt herausgeholt und gezeigt, Wilde Kammhühner haben wir sehr viele hier, aber keine Pfaue.Dieser Nationalpark ist übrigens sehr schön und eignet sich wie viele Nationalparks hier im Norden zur Vogelbeobachtung.
Enttäuscht trat ich meine Heimreise an und erreichte abends Chiang Mai. Mein Hinterteil schmerzte sehr und der Kilometerzähler meiner Honda wies 350km mehr aus.Eine Woche später machte ich mich dann nochmals auf den Weg, dieses mal zum Mae Ping Staudam, auch hier auf dieser Seite des Sees Fehlanzeige, 250km umsonst gefahren.
Drei Monate später bei einem Treffen in der Chulalong Universität in Bangkok berichtet mir dann Frau Professor Wina Meckvichai, dass es sehr wohl im Verlaufe des Flusses Mae Ping Pfaue geben solle, sie hätte sie selber dort gesehen ,es sei in der Nähe der Ortschaft Hot. Diese Professorin aus Bangkok ist übrigens auch eine große Pfauenspezialistin und mein Freund Wolfgang Mennig hatte ja über Umwege vor 3 Monaten diese Ortsangabe von ihr erhalten, jedoch ohne den Zusatz ` Hot.`
Zurück in Chiang Mai machte ich mich abermals auf den Weg . In Hot angekommen hörte ich wieder bei der Bevölkerung das mir inzwischen schon sehr vertraute 'mei mi, haben wir hier nicht..'
So ca 20km von der Ortschaft Hot entfernt erkundigte ich mich dann bei bei dem zuständigen Forstamt.
Auch hier gab man mir sehr freundlich bereitwillig Auskunft mei mi gibt es hier schon lange nicht mehr, aber in Om Koi gebe es eine Menge wilder Pfaue sowie Tiger, Elefanten und vieles mehr. Meine Augen und Ohren wurden immer größer.
Er telefonierte mit vielen Forstämtern und teilte mir dann mit, ich solle mich doch schnell wieder zurück auf den Weg nach Chiang Mai machen und dort bei der oberen Forstbehörde um Erlaubnis zum Betreten des Reservates und mehr Auskünfte bitten, aber noch an diesem Tage, denn nur heute noch, wäre ein hoher Offizieller dort anwesend. Also machte ich mich schnell wieder auf den Weg zurück.
Bei der oberen Forstbehörde angekommen gab man mir auch hilfreich Auskunft und nach einer halben Stunde erinnerte sich dann auch jemand daran, dass es in der weiteren Umgebung von Hot noch Pfaue gibt, ich solle nach Ban Hong fahren und dort nachfragen. Nun war erst einmal für heute Schluss, das Hinterteil schmerzte wieder sehr und der Kilometerzähler meiner Honda wies 230km mehr aus.
Am folgenden Tage machte ich mich wieder frohen Mutes auf den Weg, dieses Mal über Lampuhn nach Ban Hong. Die Gegend um Ban Hong herum sah schon sehr pfauenfreundlich aus. Vielleicht hatte ich ja dieses mal Glück. 5 bis 10 km vor der Ortschaft Ban Hong begann ich wieder die Bevölkerung zu befragen und hörte wieder nur mei mi, mei mi haben wir nicht. Die Stimmung in mir sank auf den Nullpunkt, aber was soll es, weiterfragen. In Ban Hong angekommen fragte ich dann an einer Straßenecke bei einigen älteren Dorfbewohnern nach. Ja, Pfaue gibt es hier aber dort oben hoch in den Bergen, jedoch jetzt nicht zu sehen. Riesige Vögel, so teilte man mir mit, und 10 km weiter die Straße entlang gäbe es noch mehr. Nach 6 km fragte ich bei einer Tankstelle nach , ja die Pfaue kommen im Januar in der Trockenzeit in meinen Obstgarten der dort in den Bergen liegt zum Trinken. Das hörte sich jetzt schon mal gut an. Einige km weiter in einem Bergdorf begegnete mir dann ein Jäger, der mit einem alten Vorderlader bewaffnet auf illegale Jagd ging, der müsste doch normalerweise am besten wissen, wie es hier mit dem Bestand der Pfaue ist, dachte ich bei mir. Doch er gab mir nur kurz zu verstehen: mei mi , mei mi nicht hier. Wie sich später herausstellte wollte er nicht auf sich und das von ihm illegal bejagde Gebiet aufmerksam machen. Etwa 3km weiter fand ich dann ein Forstamt, dort bestätigte man mir wiederum das Vorkommen von wilden Pfauen und sagte mir, es wäre wohl keine gute Zeit zum Beobachten, ich sollte im Winter noch einmal vorbei schauen. Dann schickte man mich wieder 10km zurück, siehe da, hier wurde gerade ein neuer Nationalpark eröffnet. Meine Frage nach den Pfauen wurde freundlich bejaht, aber ich sollte auch hier später noch einmal vorbei schauen. Jetzt war ich doch erleichtert bei so vielen positiven Aussagen konnte ich jetzt davon aus gehen, dass es dort noch wilde Pfaue gibt. Gesehen hatte ich aber noch keine an diesem Ort, aber wieder 200km auf der Honda zurück gelegt.
Um wilde Pfaue in der Natur zu sehen , muss man die Balzzeit abwarten, die ab Dezember beginnt. In dieser Zeit rufen die Hähne sehr oft, was eine Revierbestimmung und letztendliche Beobachtung vereinfacht. Denn in der restlichen Zeit des Jahres sind die Pfaue nicht zu hören, geschweige denn zu sehen, da sie auch sehr scheu und scharfäugig sind .
Nun hatte ich alleine für eine genauere Ortsbestimmung über 1000km auf meiner Honda zurückgelegt und war, ich weiß nicht wie viele Tage und Stunden unterwegs.