Geschichte vom Mönch und den Pfauen

Foto der Gebetshalle des Wats, Teil eines Wandgemäldes
Tiger in einem Wat bei Kanchanaburi West Thailand
Ährenträgerpfau in einem Wat bei Prachuap Khirikhan Süd Thailand

Auf der Suche nach den grünen Pfauen hier in Thailand führte mich einer meiner Wege nach Payao in ein Dorf, nahe der Grenze zu Laos, in einen Nationalpark. Hier wurde ich von den Wildhütern sehr freudig empfangen und man zeigte mir im Dschungel die Plätze, an denen die Pfaue ihre Balz vollziehen. Diese konnte ich mit den Wildhütern auch beobachten.
Bei einem anschließend längeren Gespräch über die Pfaue erzählten sie mir dann folgende Geschichte:

Unweit des Dorfes liegt ein buddhistisches Kloster in den Bergen. Eines Tages brachte ein Bauer des nahe gelegenen Dorfes, der sehr gläubig und um alles Leben sehr besorgt war, ein aus gemähtes Pfauengelege ins Kloster.
Hier fragte er die Mönche, wie denn jetzt mit den Eiern zu verfahren wäre, da die Pfauenhenne das Gelege nicht mehr weiter umhüte und bebrüte. Einer der Mönche, ein älterer, nahm sich der Pfaueneier an und ließ sie von einer Hühnerhenne ausbrüten. Die jungen Pfaue zog er sorgsam mit der Hand auf, fertigte auch einen Ring für jeden der Pfaue an und beringte sie. Die Pfaue begleiteten den alten Mönch auf Schritt und Tritt, auch bei seinen allmorgendlichen Bettelgängen.
Eines morgens brach der alte Mönch tot bei seinen Bettelgängen zusammen, worauf die Pfaue den Leichnam des Mönches umkreisten und nicht mehr verließen. Man brachte den toten Mönch begleitet von den Pfauen in das Kloster zurück und bahrte ihn auf, auch hier bewachten die Pfaue ihn weiterhin  Erst nachdem man den Leichnam verbrannte, verschwanden die Pfaue im Dschungel des Klosters und des Umlandes .
Die Dorfbevölkerung war sehr erstaunt über das Verhalten der Pfaue und stellten ab dieser Zeit  jegliche Jagd auf die Pfaue ein.
 
Einen Tag später besuchte ich das besagte Kloster. Ein Mönch der sehr gut englisch sprach, erzählte mir,  nachdem ich ihn über grüne Pfaue befragte ebenfalls die Geschichte vom alten Mönch und den Pfauen. Weiterhin erzählte er mir, dass noch einige dieser Pfaue lebten, man könne sie an ihren Ringen erkennen. Jeden Abend würden sie und ihre Nachkommen den Berggipfel aufsuchen um in den Bäumen des Gipfels zu nächtigen. Früh in den Morgenstunden verließen sie dann wieder den Klosterbereich, um in den nahen Feldern nach Nahrung zu suchen .

So konnte ich den  Artenschutz von einer anderen Seite kennen lernen.
Leider hatte ich keine Zeit, länger an diesem schönen Ort zu verweilen, ich werde ihn aber bestimmt noch einmal aufsuchen.
 
Ich muss der Vollständigkeit halber noch hinzufügen, dass in Thailands buddhistischen Klöstern die hier  Wat genannt werden,  alles Leben heilig ist. Alle Tiere, die die Menschen dorthin bringen, werden umhegt und versorgt. So beherbergen viele dieser Wats kleine Zoos,  in denen man Fasanen, Tauben, Pfaue, Hühner, Fische, Katzen, Hunde, Rehe, Wildschweine, Tiger usw. sehen kann.
 
Der vorher erwähnte Nationalpark ist ausschließlich für die dort
vorkommenden grünen Pfaue eingerichtet worden und sehr unbekannt.